Ein geliebter Mensch ist gestorben. Dieser Mensch hatte einen ganz besonderen Platz in deinem Leben, eine ganz besondere Bedeutung. Nun ist er nicht mehr da und hinterlässt eine schmerzhafte Lücke. Vielleicht fragst du dich, ob es normal ist, dass es dir wieder oder immer noch so schlecht geht, dass die Traurigkeit dich immer wieder überrollt. Womöglich fällt es dir seit dem Verlust schwer, dich zu konzentrieren, unter Menschen zu gehen oder ganz gewöhnliche Alltagstätigkeiten zu erledigen. Vielen Trauernden geht es so. Dinge, die früher ganz normal und einfach waren, scheinen auf einmal unmöglich. Und es wird scheinbar nicht besser. Erst einmal wird es womöglich sogar schlimmer.
Es muss dir noch nicht wieder gut gehen.
Das alles ist normal. Das alles ist sogar angemessen und völlig verständlich nach dem Verlust eines nahestehenden, geliebten Menschen. Wie seltsam wäre es, wenn ein wichtiger Mensch aus unserem Leben geht und wir einfach weitermachen würden als wäre nichts gewesen. Deine Trauer ist Ausdruck deiner Liebe zu dieser gestorbenen Person. Sie ist auch eine Würdigung ihres Lebens und ihrer Wichtigkeit in deinem Leben. Trauer ist keine Krankheit. Sie ist eine ganz natürliche Fähigkeit unserer Seele als Reaktion auf Verluste. Als natürlicher Prozess verläuft sie in Wellen. Dabei gibt es keinen Zeitplan, keine Bedienungsanleitung für die Trauer. Sie dauert so lange, wie sie eben dauert, und sucht stets ihren individuellen Weg. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ auf diesem Weg, kein „besser“ oder „schlechter“. Viele von uns haben verlernt, dass Gefühle gefühlt werden wollen, dass Tod und Trauer Teil des Lebens sind, dass es Wichtigeres gibt als immer genau so zu funktionieren, wie es scheinbar von uns erwartet wird. Wir haben verlernt, dass es okay ist, wenn wir uns Zeit nehmen. Zeit zu fühlen, Zeit zu sein, Zeit unsere Wunden zu heilen. Zeit, um uns in diesem neuen Leben ohne den gestorbenen Menschen zurechtzufinden. Ich weiß, die schmerzhaften Gefühle sind manchmal kaum auszuhalten und es wäre schön, wenn wir sie einfach umgehen könnten. Doch ich weiß auch, dass der Widerstand dagegen meist viel mehr Kraft kostet als das Fühlen selbst. Der Weg aus dem Schmerz heraus führt mitten durch ihn hindurch. Auch deshalb ist es völlig okay, wenn es dir gerade noch oder wieder schlecht geht. Es darf sein, was ist. Denn wenn es sein darf, dann kann und wird es sich auch wieder verändern.
