Was passiert mit unserem Körper, wenn wir gestorben sind? Wie schnell beginnt die Verwesung, welche Faktoren beeinflussen sie und lässt sich anhand der Veränderungen eines Leichnams feststellen, wann ein Mensch gestorben ist?
Darüber haben wir für die erste Sendung der Lebensfluss Show mit Dr. med. Elmar Hoffmann vom Institut für Rechtsmedizin in Gießen gesprochen. Im zweiten Teil unseres Interviews erklärt er die natürlichen Prozesse nach dem Tod, räumt mit verbreiteten Vorstellungen auf und erzählt, wie seine Arbeit seinen Blick auf sein Leben und den Tod ansich prägt.
Wann beginnt die Verwesung?
Mit dem Tod beginnen im Körper verschiedene Abbauprozesse. Dr. Hoffmann unterscheidet dabei drei Vorgänge: die Autolyse, bei der körpereigene Enzyme das Gewebe zersetzen, die Fäulnis durch Mikroorganismen ohne Sauerstoff und die Verwesung durch Mikroorganismen, die Sauerstoff benötigen.
Diese Prozesse laufen gleichzeitig ab. Der Körper wird nach und nach in seine Bestandteile zerlegt, die wieder in den natürlichen Kreislauf eingehen.
Wie schnell verwest ein Körper?
Wie schnell sich ein verstorbener Körper verändert, hängt von vielen Faktoren ab. Besonders wichtig ist die Temperatur: Wärme beschleunigt die Zersetzung, Kälte verlangsamt sie. Auch Infektionen, Verletzungen und Insekten können eine Rolle spielen.
Unter der Erde verläuft der Abbau laut Dr. Hoffmann deutlich langsamer als bei einer Lagerung an der Oberfläche. Die Bodenbeschaffenheit beeinflusst den Prozess ebenfalls. In sehr feuchten, sauerstoffarmen Böden kann es beispielsweise zur sogenannten „Fettwachsbildung“ kommen, die den Körper teilweise konserviert.
Wie genau lässt sich der Todeszeitpunkt bestimmen?
Aus Krimiserien kennen wir Rechtsmediziner, die den Todeszeitpunkt scheinbar minutengenau bestimmen. In Wirklichkeit ist das wesentlich schwieriger.
Verschiedene körperliche Veränderungen und auch die Entwicklung von Insekten können Hinweise darauf geben, wie lange ein Mensch bereits verstorben ist. Doch je weiter die Zersetzung fortgeschritten ist, desto unsicherer wird die Einschätzung. Deshalb können Rechtsmediziner häufig nur einen ungefähren Zeitraum angeben.
Ist ein verstorbener Körper giftig?
Auch über das sogenannte „Leichengift“ sprechen wir im Interview. Dr. Hoffmann erklärt, dass es ein solches allgemeines Gift nicht gibt. Von einem verstorbenen Menschen geht nicht automatisch eine besondere Infektionsgefahr aus. Entscheidend sind unter anderem vorhandene Krankheitserreger und die Art des Kontakts.
Was uns der Tod über das Leben erzählt
Neben den medizinischen Fragen gibt Dr. Hoffmann persönliche Einblicke in seinen Beruf. Er spricht über den respektvollen Umgang mit Verstorbenen, die Darstellung der Rechtsmedizin in Fernsehserien und darüber, weshalb ihn die Frage nach dem Tod schon als Kind beschäftigt hat.
Für ihn gehört die Endlichkeit untrennbar zum Wert unseres Lebens:
„Denn der Tod macht aus unserem Leben etwas Besonderes. Es hat ein definitives Ende. Dieses Ende wird kommen, ob man will oder nicht. Es kommt für alle gleich, ob für den Verbrecher, ob für die guten Leute, für die Reichen, für die Armen, für die Alten, für die Jungen. Es kommt für jeden.
Es ist fair, weil es nicht selektiert. Es kommt definitiv. Und es macht, wie gesagt, das Leben lebenswert, weil wir haben irgendwann einen Punkt, wo wir sagen müssen, bis dahin müssen wir was gemacht haben.“
Wie die Verwesung tatsächlich abläuft, was an bekannten Vorstellungen stimmt und weshalb Dr. Hoffmann seinen Beruf so liebt, erfahrt ihr im ausführlichen zweiten Teil unseres Gesprächs.
Das vollständige Interview findet ihr als Video auf unserem YouTube-Kanal und als Podcast bei Spotify und Apple Podcasts.
Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube (öffnet in neuem Tab).
Silke Szymura-Laux
Silke begleitet Menschen in der Zeit zwischen Tod und Bestattung im Abschiedshaus Laux in Bad Nauheim Steinfurth, wo sie mit ihrem Mann Bernhard Laux lebt. Gemeinsam laden die beiden seit 2018 einmal im Monat zum offenen Gesprächskreis "Über den Tod reden" ein. Ihre eigene Erfahrung nach dem frühen Verlust ihres damaligen Lebensgefährten in Nepal hat sie geprägt und geöffnet für ihre heutigen Aufgaben.