Warum ist ein Mensch gestorben? Nicht immer lässt sich diese Frage bei der ärztlichen Leichenschau beantworten. Eine Obduktion kann helfen, die Todesursache zu klären. Doch wie läuft sie ab? Was geschieht mit den einzelnen Organen und können Angehörige danach noch Abschied nehmen?
Darüber haben wir für die Lebensfluss Show im Rahmen unseres Themas „Biologie des Lebens und Sterbens“ mit Dr. med. Elmar Hoffmann, Facharzt am Institut für Rechtsmedizin in Gießen, gesprochen. Im ersten Teil unseres Gesprächs erklärt er die Abläufe einer Obduktion und beantwortet Fragen, die ansonsten selten gestellt werden können.
Warum wird eine Obduktion durchgeführt?
Bei einer Obduktion, auch Sektion genannt, wird der Körper eines verstorbenen Menschen äußerlich und innerlich untersucht. In der Rechtsmedizin geht es darum, herauszufinden, woran jemand gestorben ist und ob eine andere Person den Tod verursacht haben könnte.
Dabei steht nicht immer der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen im Raum. Auch wenn ein Mensch unbeobachtet gestorben ist und die Todesumstände unklar sind, kann eine Untersuchung zur Aufklärung beitragen. Dr. med. Elmar Hoffmann beschreibt im Gespräch vor allem rechtsmedizinische Obduktionen, die durch die Staatsanwaltschaft beauftragt werden.
Wie läuft eine Obduktion ab?
Dr. med. Elmar Hoffmann teilt den Ablauf in drei Abschnitte ein. Zunächst wird der vollständig entkleidete Körper von außen untersucht. Dabei werden die gesamte Körperoberfläche und mögliche Verletzungen genau betrachtet und die Befunde dokumentiert.
Anschließend werden Kopf, Brustkorb und Bauchraum geöffnet und die inneren Organe untersucht. Die Ärztinnen und Ärzte beurteilen unter anderem Größe, Gewicht und Veränderungen des Gewebes. Sie entnehmen außerdem Proben, die bei Bedarf später unter dem Mikroskop oder im Labor untersucht werden können, etwa auf Medikamente oder Giftstoffe.
Zum Abschluss wird der Körper versorgt und verschlossen. Das ärztliche Team bespricht die Befunde und ordnet sie im Zusammenhang mit den bekannten Todesumständen ein.
Wie lange dauert die Untersuchung?
Eine Obduktion dauert häufig etwa ein bis zwei Stunden. Die Dauer hängt jedoch von der Fragestellung und den Befunden ab. Bei komplexen Fällen, insbesondere beim Verdacht auf ein Tötungsdelikt, kann die Untersuchung deutlich länger dauern.
Nicht alle Ergebnisse liegen unmittelbar danach vor. Sind weitere Gewebe- oder Laboruntersuchungen erforderlich, werden deren Befunde später in die abschließende Beurteilung einbezogen. Trotz umfangreicher Untersuchungen lässt sich die Todesursache nicht in jedem Fall eindeutig feststellen.
Was geschieht mit den Organen?
Eine Frage, die viele Menschen beschäftigt: Werden die entnommenen Organe wieder in den Körper zurückgelegt?
Dr. med. Elmar Hoffmann erklärt, dass dies grundsätzlich geschieht, auch mit dem Gehirn. Zurückbehalten werden die benötigten Gewebe- und Flüssigkeitsproben. Nur bei besonderen Fragestellungen kann es erforderlich sein, ein ganzes Organ für weitere Untersuchungen aufzubewahren.
Können Angehörige danach noch Abschied nehmen?
Eine Obduktion schließt eine persönliche Abschiednahme nicht grundsätzlich aus. Dr. med. Elmar Hoffmann beschreibt, dass die Schnitte sorgfältig verschlossen und so gesetzt werden, dass sie durch Kleidung beziehungsweise die Lage des Kopfes auf dem Kissen im Sarg verdeckt werden können.
Der Anspruch seines Teams ist es, den verstorbenen Menschen so zu versorgen, dass Angehörige sich noch verabschieden können. Welche Form der Abschiednahme im Einzelfall möglich ist, lässt sich mit dem Bestattungsunternehmen besprechen.
Das ausführliche Interview mit Dr. med. Elmar Hoffmann findet ihr auf YouTube sowie im Lebensfluss Podcast auf Spotify und Apple Podcasts. Im Video zeigt er außerdem die Instrumente, die bei einer Obduktion verwendet werden.
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Silke Szymura-Laux
Silke begleitet Menschen in der Zeit zwischen Tod und Bestattung im Abschiedshaus Laux in Bad Nauheim Steinfurth, wo sie mit ihrem Mann Bernhard Laux lebt. Gemeinsam laden die beiden seit 2018 einmal im Monat zum offenen Gesprächskreis "Über den Tod reden" ein. Ihre eigene Erfahrung nach dem frühen Verlust ihres damaligen Lebensgefährten in Nepal hat sie geprägt und geöffnet für ihre heutigen Aufgaben.